Graf-Borstars Meinung: Darf man das Bauhaus-Stil nennen?

„Penthouse im Bauhaus-Stil“ – genau so haben wir unsere Immobilie in Solingen-Ohligs angeboten. Klingt stark, weckt Interesse. Doch dann haben wir uns selbst die Frage gestellt: Dürfen wir das eigentlich so nennen? Denn streng genommen gibt es das Bauhaus seit 1933 gar nicht mehr.

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11/5/20262 min read

Eine Schule, kein Baustil

Das Bauhaus wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet. 1925 zog es nach Dessau, 1932 nach Berlin. 1933 erzwangen die Nationalsozialisten das Aus. Gerade einmal 14 Jahre hat diese Institution existiert.

Und das Wichtigste: Das Bauhaus war eine Hochschule für Gestaltung – keine Baufirma mit Fertigkatalog. Kunst, Handwerk und Architektur sollten zusammenfinden. Einen starren „Bauhaus-Stil“ wollten die damaligen Lehrer und Meister ausdrücklich vermeiden.

Was wir heute im Alltag „Bauhaus“ nennen, ist meist die klare Formensprache der Klassischen Moderne. Und dafür gilt: Ein Flachdach allein macht noch lange kein Bauhaus.

Die Meisterhäuser: Was steckt wirklich dahinter?

Wer verstehen möchte, was diese Idee im Kern ausmacht, schaut am besten nach Dessau. Dort entwarf Walter Gropius 1925/26 die berühmten Meisterhäuser für sich und seine Dozenten:

· Klare Formen: Ineinander geschobene Würfel (Kuben) mit flachen Dächern.

· Licht und Weite: Große Fensterflächen holen die Sonne ins Haus.

· Fließende Übergänge: Balkone und Terrassen erweitern den Wohnraum direkt nach draußen.

· Alltagstauglichkeit: Feste Einbauschränke und moderne Haustechnik sollten den Menschen das tägliche Leben spürbar erleichtern.

Kurz: Es ging nie um bloße Dekoration, sondern immer um das gelungene Zusammenspiel aus Funktion, Licht und Raum.

Was bedeutet das für heutige Gebäude?

Ein Neubau aus dem Jahr 2017 ist rein historisch betrachtet niemals ein „echtes Bauhaus“. Er kann höchstens im Geist des Bauhauses entworfen sein.

Dafür reicht es allerdings nicht, einfach eine Fassade weiß zu streichen oder teure Fliesen im Bad zu verlegen. Entscheidend sind andere Fragen:

· Wie fällt das Tageslicht in die Räume?

· Gehen Innenbereich und Terrasse oder Garten logisch ineinander über?

· Macht der Grundriss den Alltag der Bewohner leichter und angenehmer?

Der Praxistest: Unser Penthouse in Solingen-Ohligs

Wir haben unser Projekt deshalb Merkmal für Merkmal geprüft – vom Erdgeschoss bis zum Dach:

· Das Gebäude: Ein klarer, kubischer Baukörper mit Flachdach, fertiggestellt 2017. Schlicht, schnörkellos. Klinker im Sockel und den unteren Etagen, weißer Putz ganz oben, dazu transparente Glasbrüstungen.
(Übrigens: Bauhaus muss keineswegs immer weißer Putz sein! Die berühmten Laubenganghäuser in Dessau sind aus rotem Klinker. Und gleich bei uns in NRW stehen mit Haus Lange und Haus Esters in Krefeld zwei weltbekannte Backstein-Villen von Ludwig Mies van der Rohe, dem letzten Bauhaus-Direktor.)

· Das Penthouse: Ein weißer Kubus, zurückgesetzt auf dem Dach, mit flachem Abschluss ohne Dachüberstand. Bodentiefe Fenster und Glastüren führen aus nahezu allen Räumen direkt auf die Terrasse. Ein frei auskragendes Dach überdeckt rund 28 m² Freisitz – auch das ein echtes Element der Moderne.

· Innenbereich: Rund 61 m² offener Wohn-, Koch- und Essbereich. Viel Tageslicht, klare Linien, breite Glasschiebetüren ins Freie.

Unser Fazit

Darf man dieses Penthouse nun „Bauhaus-Stil“ nennen?

Wir sind überzeugt: Ja. Aber nur deshalb, weil hier nicht bloß ein modisches Etikett aufgeklebt wurde, sondern weil Form, Licht, Grundriss und Funktionalität das ganze Gebäude prägen.

Unser Tipp für Sie:

Wenn Ihnen auf dem Immobilienmarkt ein Objekt im „Bauhaus-Stil“ begegnet, haken Sie ruhig nach: Welche Merkmale sind damit konkret gemeint? Denn bei einer guten Immobilie zählt nicht, wie wohlklingend der Name ist – sondern wie viel durchdachte Lebensqualität wirklich dahintersteckt.

Autor: Gorazd Borstar

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